Von Gedanken und Veränderungen

Vorausschauen

Von Gedanken und Veränderungen & Zufriedenheit statt permanentem Wachstum.


“Zu wissen, dass etwas besser werden soll, ist ein sehr guter Anfang!”


Als ich diesen Spruch gelesen habe, da konnte ich innerlich nur noch ganz doll mit dem Kopf nicken.

In diesen Tagen liest man viel von Umbruch, Richtungswechsel und Neuanfang. Auch mich haben die letzten 16 Monate geprägt, nicht nur äußerlich. ;-) Tatsächlich entdeckte ich kürzlich nicht nur die 1. grauen Haare, sondern auch einige neue (Sorgen-) Falten haben sich in meinem Gesicht dazugesellt….


Seit März 2020 hatte ich so viel Ruhe zum Nachdenken wie niemals zuvor in meinem Leben.

Plötzlich und unerwartet habe ich mich in dato unbekannten, tiefen Galaxien meines eigenes ICHS wiedergefunden und das war jetzt nicht durchweg positiv.


So kräftezehrend, beängstigend und deprimierend sich dieser innere “Höllentrip” an vielen Tagen angefühlt hat, hat er auch Raum gelassen, um sich über vieles klarer zu werden. Gute, negative, hoffnungsvolle, schlechte, pessimistische, dramatische, positive, unheilvolle und vorausplanende Gedanken haben sich gegenseitig monatelang in meinem Kopf gejagt.


Es wird wohl für uns alle ein Leben vor der Corona Pandemie und eines nach der Corona Pandemie geben. Später werden wir sagen, wisst ihr noch damals 2020/2021 als Sars Ko 2 die ganze Welt in die Knie gezwungen hat?

Diese Pandemie hat schon etwas von einem schrillend lauten Signalton der Natur an uns Menschen. Covid-19 eine Zoonose, von uns auch durch unser rücksichtsloses, rein konsumorientiertes Verhalten gegenüber der Natur mit zu verantworten.


Persönlich möchte ich aus dieser beruflichen Corona-Zwangspause Konsequenzen ziehen, die sowohl mein eigenes (Konsum-)Verhalten, aber auch suess-und-salzig und mein Privatleben betreffen.

Kontinuierliches Wachstum ist nicht nur ein die Medien/Politik beherrschendes Dauerthema, sondern auch unter vielen Unternehmer/innen. Unsere Wirtschaft insgesamt, oder ein Unternehmen, das nicht mehr wächst gilt als Katastrophe oder als nicht wirklich erfolgreich. Als Unternehmer/in (sollte) man permanent nach Wachstum streben, dieser Ansatz scheint der einzig gültige zu sein. Mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Produkte, größer, höher, weiter schneller….

Sein etabliertes Unternehmen in Teilen neu aufzustellen, sich dabei ganz bewusst gegen noch mehr Wachstum zu entscheiden, dafür bedarf es Mut. Dennoch bleibt auch immer mit einem Risiko verbunden. Doch ich bin bereit dieses zu tragen! Dazu wird es gleich mehrere Veränderungen in verschiedenen Bereichen geben, “Baustellen” und “Ziele” die ich mittelfristig angehen möchte.

Meinem 2. Standbein Food Styling möchte ich dabei noch weiter aufbauen. Es ist spannend zwischen der Hochzeitswelt und der Arbeit als Food Stylist zu pendeln. Ich merke wie beide Seiten mich jeweils inspirieren, und ich genieße die Abwechslung, die sich dadurch ergibt.


Ein großer Vorsatz wird sein, meinen Fokus noch stärker als bisher auf die Verwendung von regionalen & biologisch angebaute Lebensmittel zu setzen. Umfassender als wir das die letzten Jahre schon gemacht haben, das ist sicher erst ein kleiner Schritt von vielen.

Wunderschöne, aufwendig gefeierte Hochzeiten, die unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geplant und gefeiert werden, ein Thema, was nicht nur völlig neue Ideen wachsen lässt, sondern mir immer mehr am Herzen liegt.

Gerne möchte ich diese Form des Heiratens weiter entwickeln, und mit meinen Ideen versüßen!


Ein für mich weiterer entscheidender und bedeutender Punkt, den ich angehen möchte ist der Faktor “Einteilung von Lebenszeit”. Beziehungsweise wie teile ich meine Zeit in Arbeits – und Freizeit auf.

Zeit, diese war die vergangenen 1 1/4 Jahre plötzlich bei mir in einem Ausmaß vorhanden, wie ich es zuletzt aus meiner Kindheit kannte. Erst war das wie ein großer leerer Raum, in dessen Mitte ich, verloren und ohne Orientierung stand. Nach und nach musste ich mir eingestehen, dass ich das mit der Work-Live-Balance meistens nicht sonderlich gut hinbekommen habe die letzten 15 Jahre. Eine recht ernüchternde und auch in Teilen traurige Erkenntnis!


Die Frage, die ich mir während der letzten Wochen & Monate immer wieder gestellt habe ist, wie möchte ich in Zukunft meine Zeit leben? Wofür brenne ich, für wen oder mit wem möchte ich unbedingt arbeiten?

Möchte ich suess-und-salzig nach der Pandemie nochmal diese 24/7 Präsenz einräumen? Sind jährliche Umsatzsteigerungen weiterhin eines meiner Ziele? Darauf lautet die Antwort ganz klar nein.

Denn egal wie sehr man etwas liebt, wie erfolgreich ein Business auch ist, muss daneben noch Raum für andere Dinge bleiben.

Denn Kopf zwischendurch wirklich freibekommen, damit das was man liebt nicht verloren geht. Frei nach dem Motto “weniger ist mehr”, dies wird mein Credo für die Zukunft. Damit ich die hohe Messlatte an meinen Service und meine Qualität über die nächsten Jahre halten, vielleicht sogar noch steigern kann.

Eine Konsequenz aus all diesen Gedankensträngen? Noch gezielter mit genau den Menschen zu arbeiten, die das Suchen & Lieben, was ich anbiete, “ein unvergessliches, süßes Highlight”.

Jeder, der meinen Blog und meine Arbeit verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass mein (berufliches) Herz für nichts so sehr schlägt wie für aufwendige Sweet Table Konzepte.

Die letzten Monate hatte ich sehr viel Zeit, um mir Gedanken zu machen, ob und wie ich meine Business nach der Pandemie weiter führen möchte.

Die Klasse, die Vielfalt und der kreative Anspruch eines jeden meiner Sweet Table sind genau auf dem Niveau, auf dem ich dauerhaft arbeiten möchte. Meine innovativen Möglichkeiten in diesem Bereich sind noch lange nicht ausgeschöpft.

Deswegen werden wir ab 2022 in der Hochsaison von April bis Oktober unseren Fokus komplett auf Sweet Table legen.


Meine Philosophie “Qualität vor Quantität” wird dabei eine noch größere Rolle als in der Vergangenheit spielen.


Zu dieser Entscheidung trägt auch bei, dass ich den besonders engen Kontakt mit meinen Sweet Table Brautpaaren und den beteiligten Dienstleisterkollegen so sehr schätze.

Die Begeisterung zu erleben wenn ein Sweet Table eröffnet wird, ist jedes mal ein echter Glücksmoment.

Eine Hochzeit die “rund” läuft, weil alle an einem Strang ziehen, Brautpaar, Location, Dienstleister ist einfach etwas großartiges! Das Endergebnis spricht für sich, gemeinsam schafft man etwas ganz einzigartiges.


Den Fokus auf einen zeitintensiven Auftrag am Wochenende zu legen und nicht auf zwei oder gar drei. Das ist nicht nur für das Brautpaar, welches mich bucht ein Benefit, weil es exklusiv 100% meiner Kreativität, Energie und Kapazitäten erhält, sondern auch für meine eigene Lebensqualität.

Corona hat uns allen viel Leid, Sorgen und wirtschaftliche Probleme gebracht. Es hat aber auch Missstände in unserem System und auch im eigenen Leben aufgezeigt.


Mangelnde Zeit, Dauerstress und zu wenig Muße für meinen & in meinem Alltag außerhalb der Selbstständigkeit haben meinen Tage vor der Pandemie häufig dominiert. Mein eigenes Leben war zu schnell für mich geworden. Das war viele Jahre fein für mich, denn Konditorin zu sein, dass ist mein Traumberuf seitdem ich 5 Jahre alt bin.

Dieser extreme stundenmäßige Einsatz hat mein Unternehmen seit seiner Gründung 2005 sicher auf die Stufe gebracht auf dem es heute steht. Doch genau so kann und möchte ich nicht mehr weitermachen, das ist mir jetzt klar geworden.


“Zu wissen, dass etwas besser werden soll, ist ein sehr guter Anfang!”

Daran möchte ich mich halten, und freue mich über jeden, der diesen den Weg mit mir geht.

#loveissweet

Heike