Marketing in der Hochzeitsbranche zwischen verbalen Superlativen und Seelenstriptease…

Vor einiger Zeit lass ich eine Überschrift, ob das Internet die Art Hochzeiten zu feiern verändert hat. Ich glaube jeder aus unserer Branche kann da nur uneingeschränkt JA sagen. Und ich würde diese Veränderung bzw. auch Weiterentwicklung auch weitgehend als sehr positiv bewerten. Lange hinkten wir meilenweit hinter dem Niveau der Übersee Hochzeiten hinterher, doch mittlerweile kann die deutschsprachige bzw. europäische Hochzeitsindustrie wirklich stolz und selbstbewußt auf das Blicken was wir hier aufgebaut haben.

Das Netz hat sogar solch eine Fülle an Inspirationen und Tipps für Brautpaare, Dienstleister, dass einem fast schwindlig wird…

Gerade diese Masse an Material macht es aber auch viel schwerer sich und seine eigene Arbeit zu positionieren. Ich denke jeder aus unserer Branche, der ehrlich mit sich selber ist, weiß schon lange, nur sehr gute Arbeit abliefern genügend nicht mehr. Das Internet hat nicht nur die Art wie gefeiert wird, komplett auf den Kopf gestellt, sondern auch die Art wie Marketing funktioniert…

Spätestens wenn der 3. Blog, ein in den eigenen Augen herausragendes Projekt ablehnt, oder das Hochzeitsmagazin aus der hochwertigen Bildstrecke ein briefmarkengroßes Foto macht, dann wird einem klar, die Zeiten haben sich geändert…

Der Markt ist randvoll mit wirklich vielen sehr guten Diennstleistern. Die Haltbarkeit eines guten Blogposts beträgt max. 1-2 Tage schon ist er wieder unten durchgerutscht und man muss immer wieder nachlegen, um nicht in der Versenkung zu verschwinden.

Nun versucht natürlich jeder auf seine Art dagegen anzuwirken, immer häufiger habe ich das Gefühl uns gehen langsam aber sicher die verbalen Superlativen aus. Wo früher alleine die konstante Qualität der Dienstleistung für Erfolg und Aufträge gesorgt haben, wird nun die Vermarktung der eigenen Dienstleistung wichtiger den je. Hier stellt sich mir immer häufiger die Frage, wie weit möchte ich dafür gehen?

In alles müssen wir schockverliebt sein, großartig, wundervoll und zauberhaft ist ja fast noch zu wenig… wir posten und filmen ständig auf neuen Kanälen, alle paar Monate gibt es etwas Neues, bei dem man unbedingt mitmachen sollte, weil sonst…oh je… Da guter Content alleine nicht mehr reicht, driftet die Hochzeitswelt teilweise ab in etwas, dass mich entfernt an Reality Shows erinnert.

Vor einiger Zeit schrieb ich einen Blogartikel über eine Hochzeit. Es war ein wirklich schönes, stilvolles Fest, mit einem netten Paar, einer sauber gearbeiteten Torte (die zwar nicht unbedingt meinen eigenen Geschmack entsprochen hat…), sowie der Stil der Feier im Ganzen einfach nicht so meines gewesen ist…eigentlich nicht ungewöhnliches. Denn die Kunst liegt darin etwas zu kreieren mit dem man selber zufrieden ist, auch wenn man es so für sich nie bestellen würde…

Genau das ist mein Job, ich arbeite für das Brautpaar, dieses happy zu machen ist es woran ich gemessen werde.

Das Wichtigste an unserer Arbeit,dass das Brautpaar am Ende maximal glücklich ist mit seinem Tag!

Bewusst versuche ich, wenn ich über meine Hochzeiten schreibe , ehrlich und authentisch zu bleiben. Nur wenn die Zusammenarbeit besonders harmonisch gewesen ist, dann erwähne ich das , genau wie wenn mir ein Paar oder ein Projekt besonders ans Herz gewachsen sind.

Prompt schrieb mich eine geschätzte Kollegin an, sie sprach mit auf den Beitrag an und meinte sehr begeistert höre sich das ja nicht an…

Aber wir können doch nicht 365 Tage im Jahr ultimativ begeistert sein, nicht mit jedem Brautpaar entsteht nach der Hochzeit eine jahrelange Freundschaft und auch nicht alle unsere Kollegen werden zu echte Freunden…..

Ich finde das normal und auch gar nicht schlimm.

Schlimm finde ich, dass wir uns selber teilweise zum Affen machen, dass wir unsere Glaubwürdigkeit einbüßen, um Brautpaare von uns zu überzeugen.

Doch tuen wir das damit wirklich?

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Brautpaare sachliche Informationen mehr schätzen, als verbale Ergüsse voller Superlativen oder permante Seelenstriptease.

Ganz ehrlich, oft habe ich das Gefühl unsere Brautpaare lesen vieles gar nicht, sonst kämen nicht häufig Fragen, bei denen man merkt, Mensch das wussten die echt noch nicht bzw. haben das noch gar nicht mitbekommen…:-)

Ihr glaubt nicht wie oft ich z.B. folgende Fragen gestellt bekomme….Am Telefon..”Machen Sie auch Hochzeitstorten?” sehr beliebt auch während der Besprechung  “Und suess-und-salzig ist Ihr Hobby?”:-)) Das sind dann die Momente, wo ich denke A. Ist mein Marketing so schlecht? und B. Eigentlich könnte man alles an Vorabinformationen komplett weglassen, scheint eh keiner mehr zu lesen:-)

Manchmal denke ich, wir Dienstleister beschäftigen uns intern viel mehr miteinander, als es die Brautpaare tuen.

Ob wir da langfristig auf dem richtigen Weg sind, ich wage es zu bezweifeln… Und wohin führt uns das?

Wie seht ihr die Entwicklung in unserer Branche?

Nachdenkliche Grüße

Heike

 

 

 

 

 

 

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