Selbst …& Ständig mit Familie Part 2

Kürzlich hatte ich ja schon an dieser Stelle ein bisschen berichtet von meinen eigenen Erfahrungen als selbstständige Konditormeisterin und Mutter von 3 Kindern.

Heute habe ich das Vergnügen zwei Powerfrauen der Hochzeitsbranche zu interviewen, Katja Heil Fotografin und Bloggerin bei Fräulein “K” sagt ja und Johanne Bossmann Mitbegründerin und Inhaberin des Brautmodenlables NONI  aus Köln. Beide in der Hochzeitswelt kleine Berühmtheiten;-), extrem engagiert, kreativ und rührig….und Trommelwirbel beide AUCH zweifache Mütter!!

Katja Heil Fotografie
Katja Heil Fotografie

Wie sie es schaffen, Familienleben und die Selbstständigkeit zu vereinbaren, dass haben sie mir berichtet.

 

1.Worin seht ihr den größten Vorteil für eure Familie und worin den größten Nachteil in Bezug auf eure Selbstständigkeit?

Katja: Sicher ist die Flexibilität der Arbeitszeiten ein riesen Vorteil. Krankes Kind, Kita Ausflug oder einfach schönes Schwimmbadwetter – machen wir dennoch mit. Bezahlt wir allerdings direkt am Schlaf-Konto, denn was an Arbeit liegen bleibt, muss ja dennoch irgendwann erledigt werden. Und das ist meist, wenn wieder Ruhe herrscht und die Kids im Bett sind. Dieses ‚selbst und ständig’ ist abgedroschen, aber wahr. Es gibt kaum Möglichkeiten die Gedanken an das Arbeiten mal wirklich auszuschalten. Und manchmal könnte ich verrückt werden, wenn ich nur schnell was machen will, aber permanent in dem Gedanken unterbrochen werde, weil sich um Spielzeug oder sonst was gestritten wird.

Johanne:Ein großer Vorteil ist natürlich, dass mir kein Chef im Nacken sitzt, der sich ärgert wenn ich schwanger bin oder die Kinder krank sind. Auch kann ich meine Zeit natürlich etwas freier einteilen. Ein Nachteil ist, dass die Hochsaison keine Rücksicht auf eine Schwangerschaft oder kranke Kinder nimmt und es an mir (und meiner super tollen Geschäftspartnerin Judith) hängt, wer mich dann vertritt. Im Zweifelsfall ich selber. Am traurigsten bin ich aber, dass es mir als Selbstständige nicht wirklich möglich ist, eine ausgedehnte Elternzeit zu genießen. Ein Jahr ganz frei mit meinen Kindern zu Hause genießen und danach an meinen Arbeitsplatz zurück zu kehren- das wäre ein Traum!

2. Was ist der Punkt, der euch am meisten stresst und belastet bei der Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Familienleben?

Johanne: Als Selbstständige lastet natürlich sehr viel Verantwortung auf mir und selten zieht man die Ateliertür hinter sich zu und kann einfach abschalten. Manchmal fällt es dann schon schwer, sich zu Hause ganz der Familie zu widmen, wenn es ein dringendes Problem zu lösen gibt.

Katja: Nein zu sagen. Nein zu noch mehr Anfragen, nein zu ‚ich beantworte nicht alle Mails sofort’, aber manchmal auch nein zu den Kindern, wenn man das auch noch aushalten muss, selbst, wenn man selbst eigentlich völlig k.o. ist. Aber welche Familie kennt das nicht?
Der wichtigste Punkt ist allerdings, dass man selbst für alles gerade steht. Abends um fünf den Rechner ausschalten geht, aber man muss am nächsten Tag mit dem Liegengebliebenen klar kommen. Ein Abwälzen auf Kollegen gibt’s nicht. Da hilft nur die klare Priorisierung und der Eintrag in den eigenen Kalender ‚freier Abend!’, um sich selbst nicht ganz zu vergessen.

 

Familie Bossmann Foto @ Angela Krebs
Familie Bossmann Foto @ Angela Krebs

3. Denkt ihr, die Hochzeitsbranche ist eher familienfreundlich eingestellt, oder macht es grundsätzlich eurer Meinung nach keinen Unterschied in welchem Bereich man selbstständig arbeitet?

Katja: Hm, ich glaube die Branche spielt nur ein Stück weit ne Rolle. Brautpaare sind ja auch nur einmal Brautpaar und sonst normale Menschen. Klar ist es emotionaler aufgeladen und erscheint weicher, aber umso schlimmer ist es, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, oder einfach viele Fragen im Vorfeld geklärt werden müssen. Das Argument ‚ich kann heute leider Eure Hochzeit nicht fotografieren, meine Kinder sind krank’ funktioniert hier genauso wenig, wie in ner anderen Branche.

Johanne: Es gibt auf jeden Fall Unterschiede von Branche zu Branche. Was die Betreuung der Kinder angeht, ist es ja gar nicht schlecht, wenn zum Beispiel der Vater Samstags nach den Kindern schaut während wir in bei noni viele Beratungs- und Anprobentermine haben. Dafür kann ich mich dann Montags um die Kinder kümmern. So bleiben nur noch 4 Wochentage, die geregelt werden müssen. Aber es bleibt natürlich auch ein Tag weniger für die ganze Familieund das gemeinsame Wochenende ist sehr kurz.
Grundsätzlich haben Bräute nach meiner Erfahrung sehr viel Empathie, was Kinder angeht. Wenn man heiratet, ist die eigene Familienplanung oft der nächste Schritt. Dennoch geht die eigene Hochzeit für die Braut natürlich immer vor und als Dienstleister muss man Profi genug sein und Familie, Kinder und sämtliche Privatangelegenheiten aus den Geschäftsbeziehungen heraus halten.

4. Ihr beide seid ein tolles Beispiel für erfolgreiche Frauen mit Kindern. Habt ihr einen guten Rat an andere Frauen, die selbstständig sind oder es werden möchten?

Johanne: Ich habe das große Glück, dass mein Mann voll und ganz hinter mir steht und auch kein
Problem damit hatte Elternzeit zu nehmen, mich mal in der Krabbelgruppe zu vertreten oder Teilzeit zu arbeiten. Ohne einen Partner, der alles mit trägt, wäre das so nicht möglich. Außerdem haben wir das große Glück, dass die begeisterte Oma zwei Straßen weiter wohntund uns ganz toll entlastet. So etwas kann ich jeder selbstständigen Frau nur wünschen. Abgesehen davon braucht man einen langen Atem, viel Geduld und Kämpferwillen :)

Katja: Finde etwas, das Dir Spaß macht. Eine Aufgabe, die Dich begeistert, inspiriert, von der Du nicht genug bekommen kannst. Überlege, ob und wie man davon leben kann und mach daraus einen Job. Vergesse die Wirtschaftlichkeit nicht, Krankenkasse, Altersvorsorge, Kinderbetreuung, Ausrüstung – all das kostet Geld und will bezahlt sein. Und Danke Deinem Mann aus tiefstem Herzen, dass er all das mitmacht, an Dich und Deine Ideen glaubt und sein bestes tut, um Dir zu helfen.

 

Familie Heil
Familie Heil

5. Die Gesellschaft empfindet Frauen mit Kindern und beruflichem Erfolg häufig noch etwas suspekt. Eure Statement gerichtet an die Skeptiker:

Katja: Diese Diskussion verstehe ich eh nicht. Ich bewundere Frauen, für die das Muttersein das höchste der Gefühle und die Erfüllung des Lebenstraumes ist. Unsere Kinder sind das größte und wir haben einen riesen Spaß zusammen, aber ich mochte unser Leben davor auch und freue mich jeden Tag drüber zu sehen, wie sie eigenständige Menschen mit einer eigenen Meinung werden. Aber dafür mich und meine Interessen aufgeben und nur für die Kinder da sein? Ganz schlechte Idee. Dann hätten die zu Hause nämlich ne frustrierte Mutter, die mit nichts zufrieden ist. So sind wir ein Team mit zwei Eltern als Chefs, die aber allen so viel Freiraum lassen, wie sie es brauchen und jeder sich so entwickeln oder ausleben kann, wie es ihm gut tut.
Mein Job ist nicht nur mein Job, er ist mein Hobby, meine Liebe, der Ort meiner Kreativität und mein eigenes Lebensträumchen. Ich wüsste nicht, warum das nicht auch mit Kindern zu verwirklichen sein sollte, die gehören einfach dazu.

Johanne: Ich kann für meinen Teil nur sagen, dass es für mich sehr wichtig ist, einen Ausgleich zu
meinem Job als Mutter zu haben. Die Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe, ist mit total kostbar und ich genieße sie in vollen Zügen. Das merken auch meine Kinder! Mir tun alle Mütter leid, die keinen Ausgleich haben, die von ihren Kindern genervt sind und sich danach sehnen, sich endlich wieder mit Erwachsenen unterhalten zu können.Und zu dem Argument „Man bekommt keine Kinder um sie dann abzugeben!“: Wenn alle Väter sich an der Betreuung der Kinder zu gleichen Teilen beteiligen würden,müssten die Kinder noch nicht mal abgegeben werden, damit die Mutter auch einer Arbeit nachgehen kann. Aber so weit sind wir wohl leider noch nicht…

 

Herzlichen Dank liebe Johanne und liebe Katja für eure offenen, ehrlichen Worte, die bestimmt vielen Mut machen und auch die eine oder andere Traumvorstellung ein bisschen relativieren:-))

Wie organisiert ihr euren Alltag, was sind die großen Hürden, eure Tipps und Tricks vom ganzen normalen Familien-Arbeitswahnsinn…ich freue mich  auf eure Kommentare!

Gespannte Grüße

Heike

 

Schreibe einen Kommentar